N. B. Cullan
Geschichten beginnen selten dort, wo wir sie vermuten.
Das Echo verletzter Seelen
Heute lebe ich im Ruhrgebiet. Mein Alltag bewegt sich zwischen Medizin, Gestalttherapie, Gartenprojekten und Gedanken, die sich weigern, wieder zu verschwinden. Meine Arbeit in der Medizin hat mir die Augen für das Unsichtbare geöffnet: Sie hat mich gelehrt, dass man einen Menschen niemals auf eine einzige Tat reduzieren darf.
Niemand bricht grundlos aus.
Niemand verstummt ohne Schmerz.
Jedes Verhalten ist das laute Echo einer ganz persönlichen, oft tief verletzten Geschichte. Aus dem brennenden Bedürfnis heraus, diesen stummen Echos eine Stimme zu geben, entstanden meine ersten Zeilen. Genau dort, wo die Medizin an ihre Grenzen stößt und das Mitgefühl nach Worten sucht, öffnet das Schreiben für mich neue Türen.

Wo die Kulisse die Wahrheit sucht
Ich schreibe, um meine Figuren an die extremsten Schauplätze der Welt zu begleiten. Mich faszinieren außergewöhnliche Landschaften und Kulturen. Die stürmischen Klippen Irlands, die endlose Weite der Sahara oder die flirrende Hitze Andalusiens sind Orte, die mich selbst tief berühren. Vielleicht werden sie gerade deshalb in meinen Romanen weit mehr als bloße Kulissen – sie werden Teil der Geschichte.
Doch die Kulisse ist nur die Leinwand für die Seele.
Ein Rätsel kann der Anfang einer Geschichte sein. Mich interessiert jedoch, was es über den Menschen erzählt. Meine Romane erzählen von Liebe und Loyalität, von Verantwortung und Freiheit, von Verlust und Hoffnung. Sie führen an außergewöhnliche Orte – doch im Mittelpunkt steht immer der Mensch mit seinen Entscheidungen. Die Sahara, Irland oder Andalusien sind nicht nur Kulissen, sondern Spiegel der Figuren. Das Schreiben gibt mir die Möglichkeit, ihren Motiven nachzugehen und ihren Geschichten ihre Würde zurückzugeben.
Warum Ewige Zweifel
Manche Bücher beginnen mit einer Idee.
Ewige Zweifel begann mit Fragen.
Mit Erinnerungen, die nicht verschwanden.
Mit Gesprächen, die Jahre später plötzlich anders klangen als damals.
Mit Widersprüchen, die sich nie ganz auflösen ließen.
Je länger ich mich mit diesen Erinnerungen beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass sich die Vergangenheit nicht verändert.
Aber die Bedeutung, die wir ihr geben.
So entstand nach und nach eine Geschichte über Nähe, Verlust, Erinnerung und die Frage, warum manche Menschen uns noch begleiten, lange nachdem sie gegangen sind.


Der Blick hinter die Maske
Mich interessieren keine makellosen Helden oder einfachen Antworten. Als Gestalttherapeutin faszinieren mich die Risse in den Fassaden – jene verletzlichen Momente, in denen Worte und Taten tief widersprüchlich auseinanderbrechen.
Ich will verstehen, was uns im Innersten bewegt.
Ich frage mich, welche Geschichten Menschen sich selbst erzählen müssen, um weiterleben zu können. Mich interessiert das, was oft tief vergraben bleibt, obwohl es unser Leben stärker prägt, als uns bewusst ist.
Es ist eine der großen Fragen der menschlichen Psyche:
Wie viel können wir tragen?
Und wie finden wir aus einer scheinbaren Sackgasse wieder heraus?
Wenn die Gewissheit zerbricht
Meine Romane entstehen nicht am Schreibtisch. Sie beginnen mit einem Moment, der mich tief berührt.
Am Anfang steht ein flüchtiger Blick im Alltag, der das Herz berührt. Ein ungelöster, leiser Widerspruch im Verhalten eines Gegenübers, der Fragen aufwirft. Eine fremde Erinnerung, die eine Gänsehaut hinterlässt.
Oder ein psychologisches Rätsel, das sich unerbittlich im Kopf festbeißt und mich als Autorin nicht mehr loslässt.
Es ist dieses ungemütliche, bohrende Gefühl, das den Antrieb gibt und flüstert: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Genau in diesem Moment – wenn die Fassade einer Situation zerbricht, die Wahrheit fühlbar wird und der unbändige Wunsch erwacht, das Unbegreifliche zu verstehen – beginnt eine neue Geschichte.

Grenzlandschaften
Die Schauplätze meiner Romane sind nie zufällig.
Erst beim Blick auf meine eigenen Geschichten habe ich erkannt, dass ich immer wieder dieselben Landschaften suche.
Nicht Grenzen zwischen Ländern.
Sondern Orte, an denen der Mensch klein wird.
Landschaften mit weitem Horizont.
Orte, an denen es kein Versteck gibt.
An denen die Natur größer ist als der Mensch selbst.
Dort beginnen auch die größten inneren Veränderungen.
Die irischen Klippen.
Die endlose Sahara.
Die weiten Hügel Andalusiens.
Sie sind keine Kulissen.
Sie sind emotionale Resonanzräume.
Die Landschaft erzählt dieselbe Geschichte wie meine Figuren – nur ohne Worte.
Zwischen Land und Meer
Klippen.
Wind.
Weite.
Hier erzählen Landschaften von Verlust und Hoffnung.
Wo Wind und Meer den Mut auf die Probe stellen.
Zwischen Leben und Unendlichkeit.
Stille.
Sand.
Orientierung.
Hier wird Demut zur Sprache.
Wo Weite lehrt, sich selbst zu begegnen.
Zwischen Hitze und Hoffnung
Leidenschaft.
Tradition.
Freiheit.
Hier erzählen Landschaften von Verantwortung und Aufbruch.
Wo Weite und Hitze jede Maske schmelzen lassen.